Bergung und Restauration des 12 Zylinder - Reihenmotors Rolls - Royce "Merlin 24"

 

In der Nacht vom 13./14. Februar 1945 wurde Dresden während der R.A.F.-Operation „Thunderclap“ durch englische Bomber in zwei Angriffswellen fast völlig zerstört , auf Befehl des damaligen Chef des RAF-Bomber-Commands A.Harris , obwohl bekannt war das Dresden kaum militärische Bedeutung hatte. Selbst die wenigen Militäranlagen wie der Flughafen , auf dem „ Nachtjäger“ (Zerstörer Me 410 B6 mit Hohenwiehlradar)stationiert waren, blieben unversehrt.
In der Schreckensnacht gingen 5 Bomber (!), von Hunderten, im Raum Dresden durch unterschiedliche, aber nicht bestätigte Gründe verloren und gelten seitdem mit ihrer Be-satzung als vermißt.
Da die renomierten Luftkriegshistoriker von einer sehr minimalen Flak-Abwehr während der beiden Teilangriffe in dieser Nacht publizieren, wird von Zusammenstößen in der Luft und Bombentreffern darüberfliegender Maschinen als Absturzursache ausgegangen, wozu aber die exakten Nachweise für alle 5 Maschinen bis heute noch nicht erbracht wurden. Zwar gibt es einen Abschlußbericht der Polizei, in dem neben den tausenden Bombenopfern, Gebäude- und Sachschäden auch „alliierte abgestürzte Flugzeuge“ aufgeführt sind, deren Überreste und tote Besatzungsmitglieder zu keinem Zeitpunkt vollständig indentifiziert werden konnten und seitdem teilweise immer noch als „unbekannt und vermißt“ gelten.
Der Bomber, von dem „unser“ Motor stammt, ist die NG 353, eine AVRO Lancaster Mk.I, dessen Verlustursache nicht vollständig geklärt ist. Wir vermuten, daß der Lancaster Mk.I - Bomber durch eine Beleuchter-Bombe („Christbaum“) die im Bombenschacht zu zeitig losging in Brand geraten ist . Der Brand griff dann auf die Flügeltanks über , die hinter den Motoren liegen und dadurch der Bomber auf seinem „Absturzweg“, aus Richtung Poland-Platz zur Aufschlagstelle auf der Wiese vor dem Wasserwerk Tolkewitz, 3 Motoren verlor . Das läßt darauf schließen, daß nach und nach die Treibstofftanks in den Flügeln nacheinander explodiert sind. Der Fund-Motor ist der 2., der von der Lancaster„abmontierte“. Nach den Teilen der Motoraufhängung zu urteilen, ist es der innere Steuerbord-Motor.
Ein weiteres Rätsel bleibt der an der Absturzstelle damals (Verbleib unbekannt) gefundene Vierblatt-Propeller von einem noch nicht bekannten Flugzeug, das nach Augenzeugen in der gleichen Nacht abgestürzt sein soll ( Vielleicht doch eine Kollision in der Luft ?).
Unbekannt von dem Lancaster-Bomber ist, mit welcher Kennung er unterwegs war (XY-X oder AP-X). Wir wissen, daß der Bomber der 186. Squadron der 3. R.A.F.-Bombergroup angehörte und in der 2. Angriffswelle mitflog. Interessant ist die gemischte Besatzung (kanadisch, neuseeländisch und britisch). Erschwerend für die Nachforschung ist, daß die Werknummer NG 353 zeitweise oder zu dem Zeitpunkt des Angriffs eine zweite Kennung AP-X führte.

Laut R.A.F.-Museum London-Hendon-Dokumenten handelt es sich um folgende 5 Maschinen vom Bombertyp „Lancaster“:

LM 682
PM- O
Mk.III
RR Merlin 38
103. Squadr./1. Bombergroup RAF
NG 353
XY-X od. AP-X Mk. I
RR Merlin 24
186. Squadr./3. Bombergroup RAF
PB 183
LQ-B (32 MU)
Mk. III
RR Merlin 224 (38)
405. Squadr./8. Bombergroup RCAF-Pfadfinders Groups PFF-32 MU
NG 234
JO- E
Mk. III umgebaute Mk. I
RR Merlin 38
463. Squadr./5. Bombergroup RAAF, (abgestürzt Jäger/Nord-Strasse, Pilot Fl.Off. N.C.Fernley-Stott, 1Überlebender Heckschütze Mr.A.White)
PD 232
UL-F2
 Mk. I
RR Merlin 24
576. Squadr./1. Bombergroup RAF
(abgestürzt Albertplatz/ Königsbrücker Straße)



Zwei weitere „Lancaster“ sind auf dem Weg nach Dresden gecrasht (NF 932 ; BQ-B2 und
PB 686 ; KO-D ) !

Nach unseren Fund-Recherchen am Motor und bei RR Derby ist der Flugmotor von der Firma Rolls Royce Ltd., Derby, Großbritannien, produziert und bei der Firma Armstrong-Whitworth Coventry Nov.1944 in die NG353 eingebaut worden:

Merlin 24“– Nr. 202583

Plakette (25172 Byte)

Teile der inneren Steuerbordmotor-Aufhängung, des Fahrwerkes und diverse Hydraulikleitungsreste wurden bei der Bergung gefunden.

Für die inzwischen begonnene Teilrestaurierung wurde ein Transportgestell angefertigt. Der Doppelvergaser ,Zylinderköpfe mit Nockenwellen, Ladergetriebe und Vergaserluftzuführung konnte inzwischen ausstellungsreif instandgesetzt werden, in zeitaufwendiger Arbeit durch Mitglieder unseres „Sächsischen Vereins für historisches Fluggerät e.V.“, Dresden.

Für die weiteren Restaurierungsarbeiten des „Merlin-24“ benötigen wir aber dringend noch Fertigungszeichnungen und ein komplettes Montagehandbuch.

Gleichzeitig befassen sich Mitglieder unseres Vereins mit der Klärung der Absturzursachen und den Schicksalen der Besatzungsmitglieder (auch der anderen Lancaster-Maschinen !). Dazu suchen wir überlebende Squadron-Mitglieder und Kameraden, möchten mit Familienangehörigen der 5 vermißten Besatzungen in Kontakt treten. Jeder Hinweis dazu könnte weiterhelfen.

 

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Bild 1
 

Fundstelle des Motors in Dresden - Striesen Lauensteiner Strasse 9 B .
Hier stürzte der RR Merlin 24 in der Nacht vom 13./14. Februar 1945 ab , genau zwischen Haus und Mauer
(ca 6-7m ) , abgebremst durch einen Baum.

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Bild 2
 

Da der Motor ca. 950 Kg wog , wurde die Bergung durch einen Auto-Dreh-Kran der Firma Lissina-Laukant durchgeführt.
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Bild 3
 

Den Transport übernahm freundlicherweise die Fahrbereitschaft der TU - Dresden .
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Bild 4
Der geborgene "ungewaschene" RR Merlin 24.
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Bild 5
Nach einer Motorwäsche sieht der Motor schon viel freundlicher aus.
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Bild 6
Die behutsame Demontage in einem speziell für uns hergestellten Gestell ist die Voraussetzung für eine fachgerechte Restaurierung des RR Merlin 24.
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Bild 7
Nach etlichen Stunden körperlicher Anstrengung löste sich der 1. Zylinderkopf
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Bild 8
Erstaunlich: die 4-Ventiltechnik der 40er Jahre.
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Bild 9
Die noch ungereinigten Zylinder des Merlin 24.
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Bild 10
Mit Graphitöl wurden die Zylinder-Buchsen gereinigt.
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Bild 10
Teilrestaurierte Nockenwelle und die dazu gehörenden Einzelteile.
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© S. Wrietz
Bild 10
Der fertigrestaurierte Vergaser-Luft-Verteilerkanal mit Anschlußstück für den Lader .
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© Copyright der Bilder bei: R. Größner, M. Schinnerling

Entsprechend dem Fortschritt der Restaurationsarbeiten werden auf dieser Seite aktuelle Fotos und Informationen zu sehen sein.


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Thomas Giebe

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